Familie Grünfeld aus Leschnitz

(Verfasser: Hella Tegeler)

Diese oberschlesische Stadt liegt rund 30 km südöstlich von Oppeln am Fuße des Annaberges. Hier stand die Wiege des Falk Valentin Grünfeld. Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes stammt aus dem Jahre 1217. Zu diesem Zeitpunkt hatte Leschnitz bereits das Stadtrecht und ist somit eine der ältesten Städte Schlesiens. Im Jahre 1936 wurde der Ort in Bergstadt umbenannt.

Wie die allermeisten Kleinstädte Oberschlesiens besaß Leschnitz nur eine geringe Anzahl jüdischer Bewohner. Da sie deshalb keine eigene Gemeinde bilden konnten, hatten sie sich der jüdischen Gemeinde in Groß-Strehlitz angeschlossen. Bis heute ist aber am Ortsrand von Leschnitz das kleinflächige jüdische Friedhofsgelände erhalten geblieben, mit Gräbern aus den Jahren 1841 - 1933.

Links im Bild die Synagoge in Groß-Strehlitz

Der Ring in Leschnitz

Zu den bekanntesten Söhnen der Stadt gehört ohne jeden Zweifel Falk Valentin Grünfeld. Er wurde am 09.02.1837 in Leschnitz als Sohn der Eheleute "Isaak" Löbel Grünfeld und dessen Ehefrau Sarah, geb. Alexander geboren. Sein Vater war Handelsmann und Kultusbeamter und stammte ursprünglich aus Kempen, Kreis Posen. Um 1825 kam er wohl nach Leschnitz, da am 07.02.1828 seine älteste Tochter Cäcilie bereits hier geboren wurde. Als jüngstes Kind der Familie verlebte Falk Valentin Grünfeld in dieser oberschlesischen Kleinstadt gemeinsam mit seinen Geschwistern Cäcilie, Joachim und Moritz die Kindheit. Die drei nachfolgenden Geschwister starben alle vor Vollendung des zweiten Lebensjahres. Den Namen Falk Valentin nahm er erst im Alter von 25 Jahren nach seiner Einbürgerung in Landeshut an. Sein Geburtsname war Valentin Grünfeld, doch als Kind wurde er stets "Valek" gerufen, so dass er seinen eigenen Vornamen in der Jugend nur in dieser Form kannte und sich selbst Falk nannte.

Bereits im Alter von acht Jahren verlor Falk Valentin seinen Vater und wuchs seit dieser Zeit in ärmlichen Verhältnissen heran. Er war erst 14 Jahre alt, als er seine oberschlesische Heimatstadt verließ, um sein Glück in der Fremde zu suchen. Er absolvierte in der Zeit von 1851 - 1854 in Groß Strehlitz eine Lehre und war anschließend bei verschiedenen Firmen tätig. U. a. hatte ihm der damals als "Leinenkönig" bekannte Samuel Fränkel in Neustadt eine Stelle angeboten, die ihm sehr zusagte. Hier fühlte es sich wohl und genoss auch das absolute Vertrauen seines Arbeitgebers.

Trotzdem zog er 1859 fort und begab sich nach Landeshut. Er wollte beruflich weiterkommen und eine eigene Firma gründen. Zunächst aber trat er 1859 bei der - neben der jungen Firma Gebr. Methner - damals wohl angesehensten Leinenhandelsfirma Landeshut - Caskel Frankenstein & Sohn - eine Stelle an.

Neustadt in Oberschlesien - Der Ring

"Leinenkönig" Samuel Fränkel

Einbürgerungsurkunde von F. V. Grünfeld vom 17. Juli 1862

(Quelle: Archive.org/, zur Verfügung gestellt von Herrn Robert Glowczyk)

Mit dieser Anzeige wird auf die Geschäftseröffnung hingewiesen.

(Quelle: Archive.org/, zur Verfügung gestellt von Herrn Robert Glowczyk)

Gründungsgeschäft der Firma F. V. Grünfeld am Markt, im Hause D. Cohn.
(Quelle: Archive.org/, zur Verfügung gestellt von Herrn Robert Glowczyk)

Gründungsgeschäft der Firma F. V. Grünfeld am Markt
(Quelle: Archive.org/, zur Verfügung gestellt von Herrn Robert Glowczyk)

Unter den Lauben am Markt, im Hause des Herrn D. Cohn, eröffnete F. V. Grünfeld am 29. Juli 1862 sein erstes Geschäft, ein Mode-, Schnitt- und Weisswarengeschäft. Die Mitgift seiner Ehefrau Johanna, geb. Schück, war ihm dabei eine große Hilfe. Sie hatte bei der Eheschließung von ihrem Vater eine Mitgift in Höhe von 2ooo Talern (6000 Mark) erhalten. Die Familie Schück war sehr wohlhabend und besaß seit 1828 in Oppeln ein Modewarengeschäft. Grünfelds erstes Geschäft am Markt bestand aus einer kleinen Stube mit Nebenraum und einem kleinen Warenlager. Als sein Schwiegervater Schück das junge Paar zum ersten Mal in Landeshut besuchte, sagte dieser, "wenn er den so kleinen Laden und das ebenso kleine Lager vorher gesehen hätte, hätte er kaum seine Johanna in so ein Nest gegeben, bestimmt aber nicht soviel Geld"

Obwohl sein Warenlager zu Beginn nur aus wenigen Ballen Leinen bestand, gelang es ihm sehr bald die Landeshuter und die Bevölkerung der umliegenden Dörfer als Kunden zu gewinnen. Neu war zur damaligen Zeit, dass Grünfeld für seine Waren einen Festpreis verlangte. Bisher gehörte das so genannte Feilschen zur gängigen Geschäftsmethode. Die Ware wurde nicht mit einem Preis gekennzeichnet, sondern mit einem Buchstabencode, aus dem nur der Verkäufer den Preis ersehen konnte. Nun begann das Feilschen und man einigte sich meistens in der Mitte. 

Bereits zwei Jahre nach der Eröffnung zog die Firma in ein eigenes Haus in der Kornstraße, Nr. 89 um. Grünfeld hatte im Juni 1864 dieses Haus für 4.250 Taler von dem Züchnermeister Julius Peterka erworben. Der Umbau kostete noch einmal 600 Taler. Dies war nur möglich, da seine Schwäger Siegmund Schück und Gücksmann ihm dieses Geld leihweise zur Verfügung stellten, da es damals noch keine Bankkredite gab. Das Ladenlokal war wesentlich größer. Grünfeld ließ große Schaufenster einbauen und eine ganze Wand mit Spiegeln verkleiden. Das bedeutete damals völliges Neuland in der Geschäftswelt. Zugleich begann die eigene Leinenfabrikation durch Handweberei. Der Wahlspruch der Firma lautete: "Vor Unkraut hüt` uns Gott in Gnaden, nur reiner Flachs gibt guten Faden".

Anzeige aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge", Heft Nr. 71/1864 vom 03.09.1864
Umzug der Firma in das eigene Haus in der Kornstraße Nr. 89.

Das neue Geschäftshaus in der Kornstraße

(Quelle: Archive.org/, zur Verfügung gestellt von Herrn Robert Glowczyk)

Anzeige aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge", Heft Nr. 61/1871

Später befand sich in diesem Haus - neue Hausnr. 2 - 3 - der Modebazar Heinrich David, Inhaber: Scholz & Finke.

Nach Einführung des Einheitspaketportos im Jahre 1873 wurden die ersten Angebote verschickt und damit das Versandgeschäft begründet. Die Firma F. V. Grünfeld wurde somit die erste große Post-Versandfirma in dieser Branche. Millionen von Preislisten und die umfangreiche Versandtätigkeit bewirkten, dass der Name Grünfeld weit über die Grenzen hinaus bekannt wurde. Die Kunden bestellten aus Ungarn, Tirol, Italien, Schweiz, Luxemburg, England, Holland und Finnland.

Im Laufe von zehn Jahren überschritt der Versandhandel das ursprüngliche Ladengeschäft so stark, dass der Umzug in ein größeres Geschäftsgebäude dringend erforderlich war. Falk Valentin Grünfeld erwarb 1884 von Frau Marie Methner, der Witwe Robert Methners, des Mitbegründers der Textilfirma Methner & Frahne, das Grundstück an der Wallstraße und Liebauer Straße mit der Absicht, den Garten zum größten Teil abzuholzen und hier mit der Front zur Liebauer Straße das Versandhaus zu errichten und die Villa zu bewohnen. Beim Anblick des schönen Gartens ließ er aber dieses Vorhaben fallen und kaufte das in der Fortsetzung liegende ausdehnungsfähige Wiesengelände, auf dem das neue Geschäftshaus mit anschließender Weberei, Näherei und Stickerei entstand. Der herrliche Garten blieb somit der Familie Grünfeld erhalten.

Der Name Grünfeld war zwischenzeitlich bis zum deutschen Kaiser vorgedrungen. Falk Valentin Grünfeld wurde am 23.06.1875 Königlich Preußischer Hoflieferant. Die Lieferung von Leinen für die Hofhaltung des Kaisers erfolgte regelmäßig zweimal jährlich. Am 07.12.1887 ernannte ihn Wilhelm I. zum Königlich Preußischen Kommissionsrat. Falk Valentin Grünfeld ließ zu Ehren des deutschen Kaisers in der Eingangshalle des Landeshuterr Geschäftshauses ein hohes Standbild Wilhelms I. errichten.

Ernennung zum Königlich Preußischen Hoflieferant am 23.06.1875.
(Quelle: Archive.org/, zur Verfügung gestellt von Herrn Robert Glowczyk)

Ernennung zum Kommerzienrat am 07.12.1887
(Quelle: Archive.org/, zur Verfügung gestellt von Herrn Robert Glowczyk)

Anzeige aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge", Heft Nr. 82/1864.

Einzug in die neuen Geschäftsräume am 3. Oktober 1864

Anzeige aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge", Heft Nr. 51/1869.

Anzeige aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge", Heft Nr. 99/1869.

Anzeige aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge", Heft Nr. 115/1869.

Anzeige aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge",

Heft Nr. 19/1870.

Anzeige aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge", Heft Nr. 63/1871.

Anzeige aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge", Heft Nr. 71/1871.


Emanuel Stroheim (* 01.08.1839 in Katscher, Kreis Leobschütz, + 01.10.1908 in Breslau) war mit Flora, geb. Schück (24.09.1846 - 1934) verheiratet. Sie war die Schwester von F. V. Grünfelds Ehefrau Johanna, geb. Schück.


Emanuel Stroheim besaß in Hirschberg ein Modewaren- und Damenkonfektionsgeschäft direkt gegenüber dem Hotel "Drei Berge". Nachfolger wurde die Firma Leipziger & Hirschfeld.

Anzeige aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge", Heft Nr. 40/1872

Anzeige aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge", Heft Nr. 246/1875.

Seit 1875 war er Hoflieferant Seiner Majestät des Kaisers und Königs.


Einige Jahre später wurde er auch noch Hoflieferant Sr. Maj. des Königs von Bayern, Sr. Maj. des Königs von Rumänien und Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs von Mecklenburg.

Anzeige aus dem Berliner Adressbuch des Jahres 1890

Anzeige aus dem Berliner Adressbuch des Jahres 1900

Das neue Geschäftshaus in Landeshut
Die Einweihung dieses Gebäudes erfolgte am 24. August 1885.
(Bild von Herrn Dariusz Radziewski)

Falk Valentin Grünfeld vor seinem neuen Geschäftsgebäude.
(Bild von Herrn Dariusz Radziewski)

Die Eingangshalle des Landeshuter Geschäftshauses
(Bild von Herrn Dariusz Radziewski)

Falk Valentin Grünfeld - im Hintergrund das neue Geschäftsgebäude

Firmenwerbung

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Der Kopf einer Preisliste von 1878

Im Jahre 1889 eröffnete F. V. Grünfeld in der Leipziger Straße Nr. 25 in Berlin eine Filiale. 1900 erfolgte die Verlegung des Hauptsitzes zugleich mit der Versandabteilung nach Berlin. Die  Eröffnung des eigenen Geschäftshauses in der Leipziger Straße Nr. 20 - 21 wurde 1905 feierlich begangen. Es handelte sich um einen fünfgeschossigen Jugendstilbau der Architekten Georg Rathenau und Friedrich August Hartmann.

Geschäftshaus in Berlin, Leipziger Str. 20 - 21

Ausstellungshalle in Berlin

1887/88 entstand auf dem Eckgrundstück Kurfürstendamm Nr. 227 und Joachimsthaler Straße ein viergeschossiges Mietshaus. In den 1920er Jahren avancierte die Gegend rund um die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche zu dem Treffpunkt in Berlin. Die Firma Grünfeld durfte natürlich nicht fehlen, so dass sie im Jahre 1924 das Grundstück erwarb. 1926 wurde im Erdgeschoss zunächst einmal eine Filiale für Strümpfe, Taschentücher, Schlüpfer und Hemdhosen eröffnet. Im Volksmund wurde dieser Verkaufsladen daher "Die Hemdhose" genannt. Wer nach dem Besuch dieser Filiale dann noch Einkäufe im Haupthaus in der Leipziger Straße tätigen wollte, wurde mit einem Wagen der Firma Grünfeld kostenlos dorthin gefahren.

Die Filiale "Hemdhose" in Berlin
(Quelle: Zeitschrift Berliner Leben, Heft Nr. 29/1926)

Wagen der Firma Grünfeld
(Quelle: Zeitschrift Berliner Leben, Heft Nr. 29/1926)

Der Erfolg der Filiale war so groß, dass nunmehr der Bau eines weiteren großen Geschäftshauses geplant wurde. Der Architekt Otto Firle wurde mit der Planung des Hauses beauftragt. Das vorhandene Gebäude sollte ursprünglich nur umgebaut werden. Aus dem Umbau entstand jedoch ein Neubau, das sogenannte Grünfeld-Eck. Firle ließ die vorhandenen Stuckverzierungen abschlagen und schuf mit einer Eisenkonstruktion eine dreifach horizontal gegliederte Fassade aus Glas und Chrom. Das Dach wurde mit dicht gestaffelten senkrechten Neonleuchten und dem Schriftzug F. V. Grünfeld gekrönt - hinter der Leuchtreklame die doppelgeschossige Dachgartenwohnung des Mitinhabers Fritz Vincenz Grünfeld. Am 12. Juni 1928 erfolgte die feierliche Eröffnung. 

Firma F. V. Grünfeld Berlin, Kurfürstendamm,

 Ecke Joachimsthaler Platz

(Quelle: Herren Peter Hahn & Jürgen Stich, 
www.friedenau-aktuell.de)

Firma F. V. Grünfeld Berlin, Kurfürstendamm,

Ecke Joachimsthaler Platz

(Quelle: Herren Peter Hahn & Jürgen Stich,

www.friedenau-aktuelle.de)

Am 8. November 2023 um 11.30 Uhr wurde der Joachimsthaler Platz in "Grünfeld-Ecke" umbenannt und das neue Schild auf dem Platz eingeweiht. Ca. 100 Personen waren erschienen, darunter auch 22 Mitglieder der Familie Grünfeld, die zum Teil sehr weit gereist waren. Sie kamen aus den USA, Großbritannien, Frankreich und Israel. Unter ihnen befand sich Miriam Lotem, Nichte des langjährigen Mitinhabers Fritz Grünfeld, der 1992 in Tel Aviv starb. Miriam Lotem hielt auf dem Platz eine kurze sehr beeindruckende Rede, in der sie der deutschen Gesellschaft dazu gratulierte, dass sie sich auch dem dunklen Teil ihrer Geschichte stellt. 
Die folgenden Bilder stellte Herr Jürgen Karwelat zur Verfügung.

Das neue Straßenschild wird enthüllt.

Das neue Straßenschild "Grünfeld-Ecke"

Miriam Lotem spricht zur Platzumbenennung.

Eine weitere Filiale konnte 1925 in Köln, Krebsgasse

 Nr. 5 - 7 eröffnet werden. Geleitet wurde sie von Dr. "Fritz" Vincenz Grünfeld und seiner Ehefrau Hilde, geb. Osborn.
 (Aufnahme: 1929, Foto: Werner Mantz)

(Quelle: Herren Peter Hahn & Jürgen Stich,
www.friedenau-aktuell.de)

Firmenwerbung

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(Bild von Herrn Dariusz Radziewski)

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(Bild von Herrn Dariusz Radziewski)

(Bild von Herrn Dariusz Radziewski)

Am 16.06.1863 heiratete Falk Valentin Grünfeld Johanna Schück, die am 06.06.1843 in Oppeln geboren wurde. Während der Ehe wurden 7 Kinder geboren, 4 Söhne und 3 Töchter. Die beiden ältesten Söhne Ludwig und Heinrich wurden am 01.09.1891 Mitinhaber der Firma, nachdem beide bereits seit ihrem 20. Lebensjahr den schwer kranken Vater tatkräftig unterstützten. Der jüngste Sohn Max war ein Nachzügler.

Die Eheleute Grünfeld starben im Jahre 1897 innerhalb von 9 Tagen. Falk Valentin während einer Kur in San Remo am 19.01.1897 und seine Ehefrau Johanna am 28.01.1897 in Landeshut.

Die folgenden Todesanzeigen stammen aus dem Archive.org, zur Verfügung gestellt von Herrn Robert Glowczyk.

Bericht über die Beisetzung der Eheleute Falk Valentin und Johanna Grünfeld

 in der Zeitung "Berliner Vereinsbote" vom 05.02.1897.

Zur Erinnerung an F. V. Grünfeld wurde in der Synagoge

 eine Gedenktafel angebracht.
(Quelle: Archive.org/, zur Verfügung gestellt von Herrn Robert Glowczyk)

Johanna Grünfeld, geb. Schück (06.06.1843 - 28.01.1897)
(Bild My Heritage)

Falk Valentin Grünfeld (09.02.1837 - 19.01.1897)
(Bild My Heritage)

Im Juli 1912 feierte die Firma Grünfeld das 50jährige Firmenjubiläum. Das Fest fand in Bethlehem statt. Hier trat auch die Theatergruppe mit ihrem "Direktor" Max Fink auf.

50jähriges Firmenjubiläum am 6. Juli 1912
Bericht aus der Zeitung "Jüdisches Volksblatt", Heft Nr. 27/1912.

50jähriges Firmenjubiläum am 6. Juli 1912


(Bild von Herrn Bartosz Bebenek)

Die Theatergruppe mit ihrem "Direktor" Max Fink

Im Jahr 1937 konnte die Firma Grünfeld das 75. Jahr ihrer Firmengründung feiern. Nicht nur im Stammhaus in Landeshut wurde dieses Ereignis groß gefeiert, auch in den Filialen in Berlin und Köln wurde das Jubiläum festlich begangen. Im Berliner Geschäftshaus fand eine Jubiläumsausstellung statt. Zu diesem Zweck waren sämtliche Verkaufsräume des zweiten Stockwerkes freigemacht worden. Am Eingang der Sonderschau hingen große Bilder des Gründers und seiner Ehefrau. Sein erstes Geschäftslokal in Landeshut war in Originalgröße (nach alten Skizzen und Bildern) in einem Teil dieses zweiten Stockwerkes der Leipziger Straße "naturgetreu" nachgebaut worden. U. a. gab es Schaukästen mit Urkunden aus dem Familien- und Firmen-Archiv, dazu eine Schau der Grünfeld-Preislisten aus 75 Jahren.

Die folgenden Bilder zeigen, wie das Jubiläum in Landeshut begangen wurde.

Feier des 75-jährigen Firmenjubiläums

Feier des 75-jährigen Firmenjubiläums

Feier des 75-jährigen Firmenjubiläums

Feier des 75-jährigen Firmenjubiläums

Im Jahre 1938, ein Jahr nach der Jubiläumsfeier, kam das Ende für die Firma Grünfeld als Familienbetrieb. Der gesamte Betrieb mit Filialen wurde an die Berliner Leinenfirma Max Kühl verkauft. Durch den Geschäftsverkauf war es der Familie möglich, Deutschland zu verlassen bevor der Krieg ausbrach. Ende Dezember 1938 erhielten alle drei Ex-Inhaber der Firma F. V. Grünfeld ihre Pässe, mit dem Hinweis, dass sie sofort abzureisen hätten. Dies geschah auch noch vor Jahresende 1938. Ludwig und Heinrich Grünfeld, die beiden ältesten Söhne des Firmengründers, mussten den Niedergang des Unternehmens nicht mehr miterleben, sie waren bereits 1929 bzw. 1936 verstorben.

Das folgende Bild zeigt die fünf Inhaber:
Oben von links: Heinrich Grünfeld und Ludwig Grünfeld, 
unten von links: Fritz Vinzenz Grünfeld, Max Grünfeld und Franz Viktor Grünfeld


Nachruf für Ludwig Grünfeld  (21.05.1864 - 31.08.1929)
(Quelle: Archive.org)

Nachruf für Heinrich Grünfeld (10.04.1865 - 25.07.1936)
(Quelle: Archive.org)

Das folgende Bild wurde während eines Herrenausfluges bekannter Landeshuter der Firma Grünfeld aufgenommen.

(Bild von Herrn Dariusz Radziewski)

Die folgenden Bilder zeigen die Produktionsstätten der Fa. F. V. Grünfeld. 

(Bild von Herrn Bartosz Bebenek)

(Bild von Herrn Bartosz Bebenek)

(Bild von Herrn Dariusz Radziewski)

(Bild von Herrn Dariusz Radziewski)

(Bild von Herrn Dariusz Radziewski)

(Bild von Herrn Dariusz Radziewski)

(Bild von Herrn Dariusz Radziewski)

(Bild von Herrn Dariusz Radziewski)

(Bild von Herrn Dariusz Radziewski)

(Bild von Herrn Bartosz Bebenek)

(Bild von Herrn Bartosz Bebenek)

(Bild von Herrn Bartosz Bebenek)

(Bild von Herrn Dariusz Radziewski)

(Bild von Herrn Dariusz Radziewski)

(Bild von Herrn Daiusz Radziewski)

(Bild von Herrn Dariusz Radziewski)

(Bild von Herrn Dariusz Radziewski)

(Bild von Herrn Dariusz Radziewski)

(Bild von Herrn Bartosz Bebenek)

(Bild von Herrn Bartosz Bebenek)

(Bild von Herrn Bartosz Bebenek)

(Bild von Herrn Bartosz Bebenek) 

(Bild von Herrn Bartosz Bebenek)

(Bild von Herrn Dariusz Radziewski)

(Bild von Herrn Bartosz Bebenek)

(Bild von Herrn Bartosz Bebenek)

(Bild von Herrn Bartosz Bebenek)

(Bild von Herrn Bartosz Bebenek)

Leinentuch der Rirma F.V. Grünfeld  (96 m 75 cm)
(Bild von Herrn Josef Stiebler)

Was wurde aus den drei Ex-Inhabern der Firma Grünfeld und deren Familien nach der Ausreise aus Deutschland?

Die Kinder des ältesten Sohnes des Firmengründers, Ludwig Grünfeld, emigrierten in die Vereinigten Staaten von Amerika. Seine drei Kinder Edith (mit Georg Tietz verheiratet), Thea (mit Louis Marx verheiratet) und der einstige "Junior" Franz Viktor (verheiratet mit Elfriede Neumann) erwarben die amerikanische Staatsbürgerschaft. Ludwig Grünfelds Witwe gelangte nach der Ausreise aus Deutschland nur noch bis nach England und starb am 12.01.1948 in London.
Dr. Franz Viktor Grünfeld machte aus seinem früheren Hobby - der Graphologie - einen neuen Beruf und als Verfasser graphologischer Schriften unter dem Pseudonym Frank Victor einen bekannten Namen.

Die Familie des zweiten Gründersohnes, Heinrich Grünfeld, wanderte nach Israel aus. Als seine Witwe Margarethe, wenige Wochen vor Ausbruch des zweiten Weltkrieges noch Deutschland rechtzeitig verlassen konnte, gelangte sie nur noch bis nach England. Von London aus wurde sie nach Oxford evakuiert und musste dort unter schweren Bedingungen durch eigene Handarbeit ihren Lebensunterhalt bestreiten. Unmittelbar nach Kriegsende konnte sie England verlassen und nach Palästina reisen. Hier traf sie ihre Kinder und Enkel wieder. Sie starb allerdings wenige Wochen später und fand ihre letzte Ruhestätte in Ramoth Hashavim, nahe der Hühnerfarm ihrer jüngsten Tochter Ilse, verheiratet mit Wilhelm Stern. Tochter Hilde war mit Dr. Georg Freudenberg verheiratet und lebte in Nahalal.

Der Sohn Dr. "Fritz" Vincent lebte mit seiner Ehefrau Hilde, geb. Osborn, sowie den Kindern zunächst in Tel Aviv in einer Vierzimmerwohnung. In dieser Wohnung errichtete seine Ehefrau mit großem Erfolg und selbst geschulten Arbeitskräften einen eigenen F. V. Grünfeld-Wäschesalon. Ein deutschsprachiges Blatt in Tel Aviv berichtete darüber im Dezember 1940 wie folgt: "Das weltberühmte Wäschehaus "Landeshuter Leinen- und Gebildweberei F. V. Grünfeld" erlebte seine Neu-Entstehung in Tel Aviv. Im schönen Wohnviertel Schmarjahu Levinstr. Ecke Haneviim - Autobushaltestelle 5 in beiden Richtungen vor dem Hause - wird der "Wäschesalon" von Dr. F. V. Grünfeld und seiner Frau (bis 1938 an der Spitze dieses größten jüdischen Betriebes in Deutschland) mit der Tradition und Erfahrung des ersten Wäschehauses der Welt nach den erprobten Grundsätzen geführt: praktisch, geschmackvoll, waschbar, dauerhaft; nur beste Qualitäten, nur eigene Modell. Neben Wäsche aller Art wird ein Sonderzweig gepflegt, der sich hier schon in den besten Kundenkreisen viele Freunde erworben hat: Morgen- und Hauskleider und sportliche Blusen." Nach Überwindung aller finanzieller Sorgen wurde der Betrieb später aufgegeben.

Die Familie des jüngsten Firmengründersohnes, Max Grünfeld, wanderte ebenfalls nach Israel aus. Max Grünfeld starb bereits noch im Jahr der Einwanderung 1939 an den Folgen einer Operation. Seine Witwe Ilse, geb. Hahn, musste den gemeinsamen Sohn Falk allein großziehen. Als einziges Mitglied der Familie Grünfeld änderte er später seinen Namen in "Gadiesh" um.

Dr. Fritz V. Grünfeld mit arani-Verleger Horst Meyer in der Jüdischen Gemeinde Berlin am 17.10.1979 anlässlich der Vorstellung seines Buches "Heimgesucht  - Heimgefunden".

Quellen:

  • Ancestry
  • Grünfeld Fritz V.: Das Leinenhaus Grünfeld, Duncker & Humblot/Berlin 1967
  • Datenbank der Opfer in Theresienstadt
  • Family Search (Mikrofilm - jüdische Gemeinde Landeshut)
  • Gedenkbuch - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 - 1945
  • My Heritage
  • Richarz, Monika: Jüdisches Leben in Deutschland: Selbstzeugnisse zur Sozialgeschichte, Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1976
  • Schlesischer Gebirgsbote
  • Tauf- und Traubücher der jüdischen Gemeinde Landeshut bei dem Staatsarchiv Jelenia Góra
  • Unterlagen des Standesamtes Landeshut bei dem Staatsarchiv Jelenia Góra
  • Zentrale Datenbank der Namen der Holocaustopfer


Nachfolgend der Stammbaum der Familie Falk Valentin Grünfeld:

I. Generation:

Falk Valentin Grünfeld  (Leinenfabrikant)       * 09.02.1837 in Leschnitz OS.,
                                                                                                              + 19.01.1897 in San Remo
Ehefrau: Johanna Schück                                  * 06.06.1843 in Oppeln,         
                                                                                                             + 28.01.1897 in Landeshut
            Heirat:                                                         16.06.1863
Kinder: 1. Ludwig                                                 * 21.05.1864 in Landeshut,   
                                                                                                             + 31.08.1929 in Bühlerhöhe
             2. Heinrich                                               * 10.04.1865 in Landeshut,    + 25.07.1936 in Berlin
             3. Georg                                                   * 16.04.1866 in Landeshut,    + 23.04.1871 in Landeshut
             4. Doris                                                    * 17.05.1868 in Landeshut,     + 05.02.1895
             5. Sophie                                                 * 27.12.1871 in Landeshut,      + 29.05.1872 in Landeshut
             6. Bianca                                                 * 03.10.1873 in Landeshut
                                                                                              seit 1942 in Theresienstadt verschollen
             7. Max                                                      * 27.01.1884 in Landeshut,     + 09.12.1939 in Haifa

II. Generation:

1. Ludwig Grünfeld  (Leinenfabrikant)             * 21.05.1864 in Landeshut,   + 31.08.1929 in Bühlerhöhe
   Ehefrau: Gertrud Goldstein                           * 16.02.1870 in Kattowitz,     + 12.01.1948 in London
               Heirat:                                                     28.01.1893 in Breslau
   Kinder: 1. Edith                                                 * 25.07.1894 in Berlin,           + 02.12.1984 in New York
                2. Franz Viktor                                     * 24.11.1895 in Berlin,             + 16.10.1965 in Zürich
                3. Dora Thea                                        * 22.12.1898 in Berlin,            + nach 1939

2. Heinrich Grünfeld  (Leinenfabrikant)            * 10.04.1865 in Landeshut,   + 25.07.1936 in Berlin
    Ehefrau: Margarethe Loewenthal                 * 20.06.1877 in Breslau,         + um 1946 in Israel
                Heirat:                                                                1896
    Kinder: 1. "Fritz" Vincent                                  * 15.01.1897 in Landeshut,    + 30.03.1982 in Tel Aviv
                 2. Hildegard                                         *          1899,                            + 05.03.1978 in Nahalal
                 3. Ilse                                                    * 12.10.1904 in Berlin

4. Doris Grünfeld                                                  * 17.05.1868 in Landeshut,    + 05.02.1895
    Ehemann: Ewald Jacubowski  (Apotheker)    * 04.09.1860 in Kurnik (Großpolen)
                                                                                                                                + 24.10.1940 in Breslau
                   Heirat:                                                                24.06.1889 in Landeshut
    Kind: 1. Herbert                                                  *             1892 in Bromberg,   + 13.11.1916 in Breslau

    In 2. Ehe war Ewald Jacubowski mit Mathilde Zadig verheiratet. Sie wurde am 16.09.1862 in
    Breslau geboren und starb vor 1940.

6. Bianca Grünfeld                                                 * 03.10.1873 in Landeshut
                                                                                                 seit 1942 in Theresienstadt verschollen
     Ehemann: Ludwig Simon  (Bankier)                * 02.02.1863 in Berlin,  + 25.12.1942 in
                                                                                                                  Theresienstadt
                   
Heirat:                                                     26.05.1896 in Landeshut
      Kinder: 1. Hanna Jeanette                                * 09.11.1897 in Berlin, + 30.04.1987 in Stamford (USA)                     2. Franz Wolfgang                                  * 06.10.1905 in Berlin,  +          1989

7. Max Grünfeld  (Textilfabrikant)                         * 27.01.1884 in Landeshut,  + 09.12.1939 in Haifa
    Ehefrau: Ilse Hahn                                              * 21.05.1897 in Gleiwitz,       + 00.01.1961 in Haifa
                Heirat:                                                         24.08.1920 in Berlin
    Kind: 1. Falk                                                                                                + vermutlich 2005 in Israel
                 Als einziges Mitglied der Familie nannte er sich später mit Nachnamen Gadiesh.

Max Grünfeld war seit dem Jahre 1912 Mitinhaber der Firma F. V. Grünfeld. Im Jahre 1910 zog er nach Berlin und bezog in der Rosenthaler Straße Nr. 40-41 die erste eigene Wohnung. Laut Adressbuch des Jahres 1913 wohnte er zu diesem Zeitpunkt in der Motzstraße Nr. 58. Nach der Heirat mit Ilse Hahn im Jahre 1920 bezog das Ehepaar eine Wohnung in der Hauptstraße Nr. 63. Noch vor der Geburt des Sohnes Falk erwarb Max Grünfeld das Haus Hedwigstraße Nr. 13 in Berlin-Friedenau. Nach dem zwangsweisen Verkauf der Firma Grünfeld im Jahre 1938 an Max Kühl erfolgte auch der Verkauf des Hauses in der Hedwigstraße. Die Familie Max Grünfeld emigrierte nach Palästina.                                                    

Max Grünfeld (27.01.1884 - 09.12.1939)
(Quelle: Herren Peter Hahn & Jürgen Stich
www.friedenau-aktuell.de)

Wohnhaus der Familie Max Grünfeld, Berlin-Friedenau, Hedwigstr. 13 (Google, 2008)
(Quelle: Herren Peter Hahn & Jürgen Stich
www.friedenau-aktuell..de)

Ilse Grünfeld, geb. Hahn
 (21.05.1897 - 1961)
(Quelle: MyHeritage)

III. Generation:

1.1  Edith Grünfeld                                                     * 25.07.1894 in Berlin,  + 02.12.1984 in New York
      Ehemann: Georg Tietz                                       * 10.01.1889 in Gera,    + 01.08.1953 in München

1.2  Dr. Franz Viktor Grünfeld  (Graphologe)       * 24.11.1895 in Berlin,     + 16.10.1965 in Zürich
      Ehefrau: Elfriede Neumann  
      Kind: 1. Frederick Volker  

1.3  Dora Thea Grünfeld                                            * 22.12.1898 in Berlin,     + nach 1939
       Ehemann: Louis Marx

2.1  Dr. "Fritz" Vincent Grünfeld  (Fabrikant)         * 15.01.1897 in Landeshut,  + 30.03.1982 in Tel Aviv
      Ehefrau: Hilde Osborn                                          * 06.02.1897                       + 09.04.1992 in Tel Aviv  

Verlobungsanzeige von Hilde Osborn

 mit Dr. Fritz V. Grünfeld

2.2  Hildegard Grünfeld                                            *           1899                   + 05.03.1978 in Nahalal
       Ehemann: Dr. Georg Freudenberg                  * 17.04.1897 in Berlin,    + 26.06.1978 in Israel

Verlobungsanzeige von Hildegard Grünfeld 

mit Dr. Georg Freudenberg

2.3  Ilse Grünfeld                                                    * 12.10.1904 in Berlin  
       
Ehemann: Wilhelm Stern                              * 16.04.1897

6.1  Hanna Jeanette Simon                                   * 09.11.1897 in Berlin,  + 30.04.1987 in Stamford (USA)
      Ehemann: Dr. Manfred Georg Cohn  (Jurist, Journalist, Publizist)   * 22.10.1893 in Berlin,
                                                                                                                         + 30.12.1965
       Heirat:                                                                  08.05.1920 in Berlin                        

Hanna Jeanette Cohn, geb. Simon  

(09.11.1897 - 30.04.1987)

(Quelle: MyHeritage)

Dr. Manfred Georg Cohn (22.10.1893 - 30.12.1965)

(Quelle: MyHeritage)

Was wurde aus den Geschwistern des Falk Valentin Grünfeld?

Sowohl Falk Valentin als auch seine drei Geschwister verließen den Heimatort Leschnitz.

Schwester Cäcilie (07.02.1828 - 05.08.1908) heiratete den jüdischen Kultusbeamten Löbel Sachs aus Loslau (OS.) und lebte mit ihrer Familie bis zu ihrem Tod in Breslau.

Bruder Joachim (1829 - 18.01.1917) wurde Kaufmann und lebte in Berlin. Aus zwei Ehe hatte er mehrere Kinder.

Bruder Moritz (1834 - 12.12.1909) wurde Lehrer und lebte mit seiner Familie in Schwersenz, Provinz Posen). Während seiner Ehe mit Johanna Krolik wurden 8 Kinder geboren. Er starb sechs Monate nach seiner Ehefrau in Berlin.